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#trainofhopelinz … ein paar Eindrücke und Infos

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Nach den ersten Meldungen, über von Budapest aus durchreisende Flüchtlinge gestern Abend, haben wir kurz entschlossen unseren heutigen letzten Urlaubstag dem guten Zweck zu widmen, und Spenden zum  Linzer Hauptbahnhof zu bringen, und dort bei der Verteilung zu helfen. Für alle die sich dazu näher informieren möchten, derzeit läuft die Koordination unter dem Hashtag #trainofhopelinz und in der Facebook Gruppe SolidaryTeam Linz.

Ich möchte aber die Gelegenheit nutzen meine persönlichen Eindrücke wiederzugeben und ein paar Fragen die immer wieder auftauchen zu beantworten.

 

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Was wird benötigt?

Derzeit (Stand 01.09./15:00)  sind vor Ort ausreichend Spenden vorhanden und solange der Bahnhof in Budapest nicht wieder geöffnet wird, ist weder in Linz noch an anderen Bahnhöfen in Österreich mit größerem Bedarf zu rechnen. Diese Situation kann sich natürlich wieder ändern. Die Grundversorgung mit Wasser und Weißbrot scheint gewährleistet, wenn etwas vorbeigebracht wird sollte angesichts der derzeitigen Lage wohl eher auf eine längere Haltbarkeit geachtet werden. Wir haben bei unserer Spende vor allem Hygieneartikel (Zahnbürsten, Zahnpasta, Feuchttücher, Taschentücher), Babynahrung (wenn zum löffeln mit Löffel!) und Säfte (= Elektrolyte), sowie Dinge wie Butterkekse und Soletti darauf geachtet, dass die Dinge auch gelagert werden können. Damit ist gewährleistet, dass die Dinge auch innerhalb des Landes an Traiskirchen bzw. in OÖ nach St. Georgen weitergeben werden können. Wir haben auch Kopfschmerztabletten gespendet, dabei wäre zu beachten, dass die Medikamente mit und deren Wirkung beschriftet sind, es ist nicht davon auszugehen, dass Flüchtlinge unsere Medikamente kennen.

 

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Unser Vormittag: ein persönlicher Eindruck

Nachdem wir erst einkaufen gehen mussten blieb nichts anderes übrig als zu warten bis die Geschäfte öffnen. Erster Stop Apotheke. Ein verwundertes Gesicht, als ich nach Kopfschmerztabletten in kleinen Packungen in möglichst hoher Stückzahl gefragt habe. Die Erklärung „wir fahren zum Bahnhof und verteilen das“ entlockte der Apothekerin ein Lächeln, so ließ sie sich auch hinreißen noch einen kleinen Sack mit Traubenzucker zu spenden. Nächster Stop Drogeriemarkt und Supermarkt. Am Ende sah der Kofferraum dann so aus.

 

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Vor Ort geordnetes Chaos. Mein Eindruck ist, dass die ÖBB _ deren Mitarbeiter höchst freundlich, engagiert und hilfsbereit agieren _ auch soweit mitdenken, dass (Stand 01.09. / 15:00) die betreffenden Züge alle über den Bahnsteig 5/6 einfahren. Ein Gruppe aus 25 bis 30 Menschen ist damit beschäftigt die ständig eintreffenden Spenden zu sortieren und in verteilbare kleinere Sackerl zu verpacken. Wer große Koordination erwartet ist fehl am Platz. Sachen schnappen, sich durchfragen und mithelfen ist die Devise. Immer wieder gibt es ein paar Informationsfetzen zu Zugverspätungen, Gerüchten von anderen Bahnhöfen und den Dingen die Leute auf Facebook und Twitter lesen.

 

 

 

Wenn Züge nach Deutschland eintreffen kurz Hektik. Die Helfer verteilen sich entlang des Bahnsteigs, ein Mann offensichtlich ein ÖBB Mitarbeiter in Privatkleidung, gibt Hinweise darauf wo die Wägen der zweiten Klassen zum stehen kommen werden und versucht beim Zugpersonal in Erfahrung zu bringen ob Flüchtlinge in den Zügen sind. Bei den Helfern derweil Stress, Wagen für Wagen wird nachgesehen ob jemand Hilfe benötigt. Bis es schließlich zu dem Moment kommt der mir zwischenzeitlich die Tränen in die Augen getrieben hat. Eine kleine Gruppe von Flüchtlingen ist tatsächlich in einem der ankommenden Züge. Die Helfer würden am liebsten kistenweise Spenden übergeben. Die Zeit drängt, der Zug muss weiterfahren. Einige Spenden werden an die sichtlich gezeichneten Menschen übergeben, aus dem inneren des Zugs sind Rufe „Fruits! Fruits! Fruits!“ zu hören, schnell wird Obst herbeigeschafft, die Dankbarkeit und Strapazen sind den Menschen vom Gesicht abzulesen.

 

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Kurz bevor sich der Zug wieder in Bewegung setzt, eine für mich unglaubliche Szene, während die letzten Helfer den Zug verlassen, reichen die Flüchtlinge die Dinge die sie nicht benötigen wieder nach draußen. Kein Spur von Neid oder Gier, angesichts einer für mich kaum vorstellbaren Reise, ein bewegender Moment.

Am Ende gibt es Hoffnung, dass die Zivilgesellschaft nun das übernimmt, wofür die Politik eigentlich da wäre. Und es bleibt die Frage was in 2 Wochen, 3 Monaten, einem Jahr ist?

 

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Der Vollständigkeit halber der Hinweis, die ÖBB weißt darauf hin, dass die Hilfe derzeit über die CARITAS gewährleistet ist und keine Spenden benötigt werden.

Sämtliche Fotos dieses Blogposts dürfen frei und ohne Quellenangabe verwendet werden.

 



2 Kommentare

  1. Mario

    1. September 2015

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    Danke Daniel.
    Für Dein Engagement und diesen Beitrag. Und für die positive Stimmung.
    Vielleicht ist das „Momentum changing“. Mal sehen.

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